Zu Grundsatz 1: Grafik 2

Ermittlung der erforderlichen Spannkraft

Zur Ermittlung der erforderlichen Spannkraft unter Drehzahl gelten die nachfolgenden Gleichungen.

Die Gleichungen gelten sowohl für Längsdreh- als auch Plandrehoperationen. Bohroperationen auf der Stirnseite der Werkstücke können auch berechnet werden. Überlagerte, simultane Bearbeitungen zum Beispiel durch mehrere Werkzeuge beziehungsweise Revolver sind auch rechnerisch zu überlagern, das heißt die erforderlichen Radialspannkräfte der Einzelbearbeitungen sind zu addieren.

Axiale Bohr- und Drehbearbeitungen überlagern sich jedoch selten, da in der Regel diese aufgrund gegenläufiger Drehrichtungen nicht simultan ablaufen können.

Für die Berechnung ist der Punkt mit den höchsten Kräften, das heißt der ungünstigste Moment der Bearbeitung rechnerisch zugrunde zu legen. Im Zweifelsfall bedarf es einer Überprüfung von mehreren Schneideneingriffssituationen, um die ungünstigste zu erfassen.

Sollen radiale Bohroperationen vorgenommen werden, kommt neben der Ermittlung der erforderlichen, radialen Spannkraft, Grafik 3 vor allem die Überprüfung der eingeleiteten Querkraft Fq und des daraus resultierenden Moments Mq eine zentrale Rolle zu.

 

Streubreiten der Spannkraft

Der Spannkraftstreubreitenfaktor S ist der nachfolgenden Tabelle zu entnehmen.

Die Werte für den Streubreitenfaktor gelten, wenn ein regelmäßig gewarteter und geschmierter Betriebszustand entsprechend Bedienungsanleitung vorliegt.

Sofern die radiale Spannkraft vor jeder Inbetriebsetzung sowie kontinuierlich alle 100 Spannungen mit einer dafür geeigneten Messeinrichtung gemessen wird, kann mit dem ausgewiesenen, reduzierten, »verifizierten« Spannkraftstreubreitenfaktor gearbeitet werden.

 

Baugröße des Spannkopf-Spannfutters

Radiale Spannreserve im Durchmesser [mm]

Spannkraftstreubreitenfaktor S

Spannkraftstreubreitenfaktor »verifiziert«

26

0,6

2,0*

1,3

40

0,8

1,7*

1,3

52

1,0

1,7*

1,3

65

1,0

1,6*

1,3

80

1,0

1,6*

1,3

100

1,5

1,6

1,3

125

2,5

1,6

1,3

*    Sofern aufgrund maßgenauer Werkstücke die radiale Spannreserve des Spannkopf-Spannfutters nur bis zu einer Grenze von 50% ausgenutzt wird, kann der Spannkraftstreubreitenfaktor um den Faktor 0,85 reduziert werden [Beispiel: Baugröße 52:]

Tabelle 5:    Streubreiten der Spannkraft

 

Berührungsfaktor

Der Berührungsfaktor ist je nach Berührungsform / -fall den nachfolgenden Tabellen zu entnehmen.

 

WS    Werkstück

SP    Spannelement

Tabelle 6:    Berührungsformen / -fall

 

Berührungsform

Pass- und Sattelsitz

Kantensitz

1,1

1,0

1,3

1,2

1,1

1,0

1,3

1,2

1,0

1,0

1,2

1,1

*    Nassbearbeitung: Verwendung von Kühlschmierstoff [KSS]

**    MMS [MQL]: Einsatz von Minimalmengenschmierung

Tabelle 7:    Berührungsfaktor

 

Spezifische Schnittkräfte

Entsprechend der relativ groben Unterteilung der Werkstoffe handelt es sich um Anhaltswerte. Dadurch können teilweise größere Abweichungen zu den realen Werten vorliegen.

Für abweichende Werkstückstoffe bzw. bei Bearbeitungsaufgaben im Grenzbereich des Spannmittels sind die jeweiligen kc-Werte des zu bearbeitenden Werkstückstoffs genau zu ermitteln beziehungsweise vom Werkstofflieferanten zu erfragen.

Bei Bohroperationen mit zweischneidigem Werkzeug gilt:

 

Werkstückstoffe

Spezifische Schnitkräfte bei
f = 0,1mm*

Spezifische Schnittkräfte bei
f = 0,5mm**

Spezifische Schnittkräfte bei

f = 1,0mm***

1980

1260

900

2120

1190

1060

2920

1840

1500

3350

2000

1600

2850

1960

1660

3100

2100

1690

1700

1480

1400

3600

2450

2100

4800

 

 

1340

900

750

1520

1000

850

1300

850

700

 

*    Für Vorschübe zwischen 0,05mm und 0,1mm ist der Wert bei f=0,1mm mit 20% Zuschlag zu verwenden.

**    Für Vorschübe zwischen 0,1mm und 0,5mm ist zu interpolieren.

***    Für Vorschübe zwischen 0,5mm und 1,0mm ist zu interpolieren. Für Vorschübe >1,0mm sind die Werte der Spalte f=1,0mm zu verwenden.

Tabelle 8:    Spezifische Schnittkräfte

 

Reibkoeffizienten

Bei Werkstücken eines von Stahl abweichenden Werkstoffs sind die ausgewiesenen Werte mit den unten angegebenen Korrekturwerten zu multiplizieren.

Für gehärteten Stahl als Werkstückstoff gelten generell die Werte der glatten Spannköpfe bei geschliffenen Werkstückoberflächen.

 

 

Grafik 8

HINWEIS

Sachschaden durch Einsatz des falschen Spannkopfes bei dem Spannen gehärteter Werkstoffe!

Ein Spannen von gehärteten Werkstoffen oder von Werkstoffen mit sehr hohen Festigkeitswerten ist nur zulässig mit Spannköpfen der Ausführung glatt, längs- und quergerillt!

Andere Spannkopfausführungen können Schaden nehmen und Ihre Fähigkeit verlieren, höhere Reibkoeffizienten bei weichen Werkstoffen zu erzielen.

 

 

Spannfläche

WS    Werkstück

SP    Spannelement

Tabelle 9:    Reib-Koeffizient für Stahlwerkstücke

 

Spannkopf-Masse m[kg] und Abstand des Massenschwerpunkts der Spannkopf-Segmente zur Drehachse rs[m]

 

Spannkopf-Größe

Abstand Massenschwerpunkt rs[m] in kleinster Stellung

Spannkopf-Masse m[kg]

26

0,013

0,23

40

0,018

0,70

52

0,022

1,00

65

0,026

1,65

80

0,032

2,10

100

0,040

4,30

125

0,062

8,00

Tabelle 10:    Spannkopf-Masse und Abstand des Massenschwerpunkts der Spannkopf-Segmente zur Drehachse

 

Ermittlung der erforderlichen Spannkraft

 

Grafik 10

INFORMATION

 

 

aus

 

 

aus

 

 

Picture 9

aus

 

 

aus

 

 

aus

 

I

 

 

 

Grafik 2

INFORMATION

Der Faktor berücksichtigt mögliche auftretende Kraftübertragungsschwankungen.

 

II

 

 

 

 

 

 

Drehbearbeitung [innen und außen]

Bohrbearbeitung [Vollbohren, zweischneidiges Werkzeug, zentrisch in Richtung der Werkstückachse]

 

 

Grafik 3

INFORMATION

Bei der Berechnung der Zerspankräfte ist ein Stumpfungsgrad, welcher einer Verschleißmarkenbreite von entspricht, berücksichtigt.

 

III

 

 

 

 

 

 

Längsdrehen

 

 

 

 

Plandrehen / Einstechen

 

 

 

 

Wird das Werkstück mit einem Reitstock abgestützt, reicht es aus, mit des errechneten -Wertes weiter zu rechnen.

 

IV

 

Entsprechend des eingangs definierten Grundsatzes bedeutet dies, dass die radiale Spannkraft des Spannkopf-Spannfutters mindestens der errechneten, erforderlichen radialen Spannkraft Grafik 4 entsprechen muss, um diese Bearbeitungsaufgabe unter Einsatz des Spannkopf-Spannfutters lösen zu können.

Falls diese Bedingung nicht erfüllt würde, wäre das Spannkopf-Spannfutter nicht geeignet. Die Bearbeitungsaufgabe dürfte nicht ausgeführt werden.

Bei der Spannung und Bearbeitung von Werkstücken mit größeren Rund- und Planlauffehlern ist zu beachten, dass der Spanquerschnitt stark schwankt. Die daraus resultierende, punktuelle Erhöhung der Schnittkraft ist gesondert zu berücksichtigen.

 

Ermittlung der erforderlichen Spannkraft bei radialer Bohrbearbeitung

Bei radialen, auf das Zentrum gerichteten Bohroperationen erfolgt die Ermittlung der radialen Spannkraft ebenfalls nach dem Ansatz

wobei allerdings die Komponenten und zugrunde gelegt werden können, was zu einer vereinfachten Form [reine Querkraft] führt:

 

 

 

Die Ermittlung von kann bei radial zur Spannmittelachse angreifenden Bohrbearbeitung analog zu Formel III wie folgt berechnet werden:

Für die Berechnung von siehe Kapitel »Zu Grundsatz 4:« Fq Fq max.

 

 

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